Es ist so, wie bei den meisten Filmen und Kulturprodukten: die Berichterstattung in den Medien ist geprägt von Neid, Blindheit, unerfüllten Erwartungen, Ignoranz, oberflächlichem und unerleuchtetem Gerede und unreflektierter Runtermacherei. Auch hierzulande, in den diversen "Intelligenzblättern" wie profil, Kurier, Standard und anderen wird der dritte Matrix Film so sehr verrissen und von vorneherein abgelehnt, dass ich selbst - der ich ja Kritiken immer mit der angemessenen Aequidistanz gegenüberstehe - schon angefangen habe, den Schmus so weit zu glauben, dass es mir - wie schon öfters zuvor - schwer fiel, den Film so zu nehmen, wie er eben ist. Das scheint der Kulturberichterstattungsschickeria ja auch so schwer zu fallen: etwas so zu nehmen, wie es ist. Ich kann das zum Glück noch.
Nach in mich aufsaugen der Matrix-Revolutions-Offenbarung frage ich mich, was die Herren und Damen JournalistInnen denn gerne statt dessen hätten? - eine Fortsetzung von Forrest Gump? den 100sten deutschen Problemfilm? Den 70sten Aufguss von gut durchdachtem, langweiligstem Deppressionsscheisskino aus der Werkstatt irgendeines Langeweilers???? Oder aber, was ihnen besser gefallen hätte an den Fortsetzungen, und wie sie es denn besser gemacht hätten... das würde mich wirklich sehr interessieren.
Ich kann es nicht mehr lesen und hören: dass die Story egal ist, weil die Effekte so teuer sind. Was kümmert es mich, wenn eine Viertelstunde Film 400 Millionen Dollar kostet? Was kostet eine Viertelstunde Irakkrieg? Das tausendfache?? Das ist doch so etwas von überhaupt keinem Argument, also lasst Euch doch etwas anderes einfallen.
Und wenn eine Story sich anders entwickelt, als ihr es gerne hättet: warum glaubt ihr dann immer gleich, dass das etwas mit der Qualität zu tun hat? Oder wer hat die Fortsetzung von Faust verstanden? Und wer will behaupten, dass die Klimax beim Goethe mehr wert ist??
Storys haben es meist so an sich, dass der Höhepunkt sich abnutzt, wenn der Leser sich einen anderen wünscht, und da ist es ganz egal, wie gut, wie toll, wie logisch der Backup ist, den der Schöpfer gelegt hat.
Ich bin mit der Fortsetzung und also der Beendigung des Matrix-Zyklus sehr zufrieden. Es geht anders aus, als ich nach Ende des ersten Teiles gedacht habe, und alleine dafür danke und umarme ich die unbekannten Wakowski-Brüder. Der Film geht auch anders aus, als ich nach Reloaded gedacht habe. Die Logik und die Schönheit des Endes lässt genug Spielraum für Phantasie und Imagination - im krassen Unterschied zum sonst gängigen Hollywood-Bullshit, und dafür sei den Wakowskis mehr als nur gedankt. Denn jeder Kritiker, der nicht erkennt, dass in diesem Ende der Trilogie weit mehr steckt als eine unerwartete Nicht-Happy-End-und-dennoch-ok-Situation, der sollte lieber selber Drehbücher schreiben oder DJ werden. Nichts gegen DJs, aber das Auflegen von Platten ist wesentlich aktiver als das sinnlose aneinanderreihen polemischer Platitüden.
Die Spezialeffekte mögen teurer sein als zuvor - siehe oben: mir egal - aber sie transportieren die Story aufs beste und sind offenbar nötig, denn sonst würde das Ende nicht SO gut kommen. Das Ende kommt erst später, vergleichbar mit einem Bild, das man erst später versteht, vergleichbar mit dem Geschmack einer Frucht, der nicht gleich aufgeht. Aber es ist ganz klar, dass dieses Ende gut und richtig ist. Ich bin froh darüber und ich bin - dank dieses wunderbaren Endes - nun selbst Teil dieser Story. Referenzen sehe ich bestenfalls zu Hesses Glasperlenspiel, wo ja diverse Germanisten auch nicht raffen, was das Ende bedeutet. Aber: wo ist der Germanist, der auch nur ein Wort in einem Roman oder einem Gedicht VERSTANDEN hat? Und wo ist der Kritiker, der es verstanden hat, einen Film nicht in ein Ranking zu drücken??
Aus meiner Perspektive - der eines selber kreativen - sind all diese Möchtegern- und Nichteinmalansatzweiseversteher sehr fern. Sie winken leise aus ihrer Welt in meine - und ich nehme manchmal ihre stumpfen Blicke wahr, höre sie reden mit ihren typisch österreichischen Stimmen (auch in Deutschland), das hilflose Runtermachen einer ganzen Generation von unfähigen und selbstnichterkannten Kritikern, und ich winke zurück.
Zusammenfassung: Matrix Revolutions ist - m.e. - sehr sehenswert.
Ob er wertvoll ist, möge jeder für sich ENTSCHEIDEN.
Ich habe eine Entscheidung getroffen.
eventuell gibt es unter mehr davon.
diese seite gibt es seit 8604 tagen, ich schreibe und gestalte hier erst seit 12.8.2003. Last update: 20.07.10, 19:54
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