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Samstag, 24. Januar 2004
nebenschauplätze
es sollte zwar nicht sein, aber es kann schon einmal vorkommen: dass die palette eines malers/einer malerin mehr an optischer sensation hergibt als das eigentlich gemalte bild. woran liegt es, wenn es so ist?
ich habe es bei meinen schülern und schülerinnen oft erlebt, dass die zettel "neben dem bild", wo buntstifte angetestet, aquarellfarben probiert, linien generalerprobt wurden, dass diese zettel also eine unglaubliche lockerheit und gestische kraft hatten, die dem "eigentlichen bild" alle fehlten; dort waren sie verkrampft, von lampenfieber erhitzt und ängstlich, brachten kaum einen "ton" aufs papier. aber in den paletten, da krachte und tönte es.
vieles von dem, was in dem "probieren" und versuchen steckt, das spielerische und versuchende ist teil der kunst selbst, das aber ist genau das, was so schwer zu "lernen" und zu "lehren" ist. dort, wo es uns herzlich "wurscht" ist, dass wir fehler machen oder vielleicht danebenhauen, genau dort treffen wir es meist besser wie dort, wo wir vor jeder linie, jeder farbe angst haben. eigentlich eine logische sache.
es war oft spannend zu beobachten, wie im laufe der monate, in welchen ich die schüler beobachten konnte, langsam die brillianz der nebengelagerten zettel sich auf die werke verlagerte und auch dort sich etablierte, wie endlich der mut zum ersten, zweiten, nächsten schritt teil des bildes wurde.
bisweilen vermisse ich das unterrichten sehr.
eventuell gibt es unter Kulturberichterstattung mehr davon. > link > >
2 Gedanken, morgens gehabt
die heutigen gedanken zum tag auf ö1 waren lisl ponger und ihrer fotografisch-politisch-aufrüttelnden arbeit gewidmet. die gestalterin dr. johanna schwanberg setzte sich mit den problemen, die viele menschen oft mit moderner kunst haben, auseinander und brachte es ziemlich gut auf den punkt, dass die politische relevanz in den botschaften von gerade aktueller kunst oft so eindringlich und wichtig sind, dass die gesellschaftspolitische bedeutung eigentlich dadurch erklärt und begründet sein sollte.
später dann im morgenjournal die nachricht, dass helmut newton durch einen autounfall am sunset boulevard zunächst schwer verletzt (er ist mit seinem cadillac frontal gegen eine mauer gekracht) und dann im krankenhaus verstorben sei.
laut kurzportrait im morgenjournal habe er "den sex in die fotografie gebracht". ganz kann ich das nicht glauben, weil ich schon daguerretopien gesehen habe, wo nackerte frauen und männer in entsprechenden posen zu sehen waren. natürlich: was sex im vergangenen 20. jahrhundert alles war (und was es NICHT war) kann ich (mann) auf newtons bildern recht plastisch (bzw. platt) sehen. bei aller gesellschaftspolitischen bedeutungslosigkeit seiner abzüge muss ich ihm attestieren, dass er ein guter knipser gewesen ist, und er legte die latte für schärfe und präzision bei sich sehr hoch, was ihn für mich sympatisch machte - auch wenn seine sujets meistens beschissen und langweilig waren - genau wie die frühen filme von leni riefenstahl. jetzt können die beiden ja - im eventuell vorhandenen himmel oder der eventuell vorhandenen hölle - über gemeinsamkeiten fachsimpeln, oder es auch bleibenlassen. ich finde meine eigenen wenigen schwarz-weiss-fotos aufregender, soviel sei angemerkt (das oben abgebildete bild ist NICHT von helmut newton, ich habe ja auch nicht "erst für 1 million $" (wie herr newton einmal sagte) auf den auslöser gedrückt, sondern nur "für mich").
schön ist, wenn emotionen wieder, wenigstens im keim, da sind, die durch langes nicht-erleben schon ins reich des vergessens abzudriften gedroht hatten. wenn es bei einer begegnung zu einem neuen menschen wirklich "funkt", und zwar nicht nur im redensartlich gemeinten sinn des "sich-füreinander-interessieren" sondern wirklich mittels dreimal an einander ausgetauschter elektrischer ladungen, dann ist das eine schöne interdependenz, die mir gefällt. das war gestern. das gefühl, dass alles zusammengehört, alles sich so findet, wie es sich finden muss, dieses gefühl hat mich wieder, und ich bin froh. eventuell gibt es unter diary mehr davon. > link > >
noch immer in eigenen städten ich bin ja auch ein spieler (bzw. war es eine zeit lang) von dem pc-spiel "die sims", in letzter zeit keine zeit, keine lust dazu gehabt. was mir an dem spiel auch so gut gefällt: die möglichkeit, absolut sinnlose sachen zu machen, und ein umfassend sinnloseres spiel als "die sims" habe ich in meinem ganzen leben nicht gesehen. ich versuche dann dabei dem sinnlosen wenigstens noch einen un-sinnigen touch zu geben, was teilweise recht gut gelingt, indem ich den virtuellen protagonistInnen blöde namen und sinnloseste biographien anhänge und sie in absolut verrückte häuser pferche, hier kann ich meine vorliebe für absurditäten voll ausleben. ob ich vielleicht deswegen auch einmal als kanibale enden werde?
bei simCity4 ist es auch so. ich kann nicht die aufforderung "geben sie der stadt einen namen" vernünftig beantworten. nein: die stadt muss natürlich "nebenbereich des arschlochkaisers" genannt werden. der name des bürgermeisters ist bisweilen "jesus von arschficki" oder "volltrottel" oder schlicht "nudelaug". das macht "simplen gemütern" wie mir spaß, so surreale städte schon vom namen her als ziemlich unmöglich zu deklarieren.
gleich neben einer immens riesigen industriezone lege ich dann kleine gartenanlagen an, ich vernetze die strassen wie häkeldeckchen, ich erhöhe die steuern für die schwerindustrie auf 20%, ich beobachte, wie trotz meiner verrückten "planung" 38.000 leute in meinem kleinen städtchen leben und denke mir: "was für eine tolle simulation" - denn wohnen wir nicht auch in absolut verrückten und großteils irgendwie so hingeschissenen städten, und ziehen nicht weg?
fast wie im richtigen leben also.
eventuell gibt es unter diary mehr davon. > link > >
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